Aldi-Forschung in Koblenz, Teil 2

 

Nun ist das Forschungsprojekt letzte Woche ja etwas kleiner ausgefallen als gedacht. Doch ein Erlebnis war es allemal. Michael und seine Freundin (die beiden, die mit ihrer Diskussion, ob denn rechts- oder linkrum nun "richtigrum" ist, die ganze Drehrichtungsgeschichte erst ins Rollen brachten) waren ebenfalls begeistert (und spazierten überdies mit einem Fotoapparat aus den heiligen Hallen).

Die Atmosphäre auf dem Parkplatz zwischen 8:30 und 9:00 war genau so wie hier in der Gruppe schon mehrfach beschrieben. Nach und nach pilgerten die Scharen herbei, sicherten sich einen Einkaufswagen und stellten sich hinten an, bis um 9:00 Uhr ca. 50 Leute der Dinge harrten, die da kommen sollten. Leichte Konzertatmosphäre kurz vor Öffnen der Tore, knisternde Spannung, als sich die Hüterin des Schlüssels näherte, und keine Einkaufswagen mehr.

Besonders hervorzuheben waren ein Mann, der seinen Einkaufswagen gegen halb neun in der irrigen Meinung, der Tempel sei schon geöffnet, in die Glastür rammte, ein Handybesitzer, der sämtliche Sonderangebote per Funk (wohl an seine bessere Hälfte) durchgab und Instruktionen bezüglich der zu kaufenden Waren erhielt, und eine anscheinend versierte Tempelanbeterin, die mit energischem Gesichtsausdruck und ohne falsche Bescheidenheit ihren Einkaufswagen als ersten vor die Eingangstür stellte.

Die Produkte selbst wurden genau von der Zielgruppe gekauft, für die sie bestimmt waren: Familienväter hatten sich extra freigenommen, um einen Fernseher zu ergattern, junge Mütter wühlten sich durch die Kinder-Ski-Anzüge, während die lieben Kleinen in jeweils einem Einkaufswagen saßen, irgendetwas in die Hand gedrückt bekamen und miteinander spielten. Büroangestellte hetzten schnell zu den Jacken oder Schuhen und erschlichen sich mit einem "Ich muß jetzt eigentlich arbeiten" einen vorderen Platz in der Kassenschlange. Und dann waren da noch die Damen mittleren und reiferen Alters, die über die Qualität der Nicki-Hausanzüge debattierten, und der ältere Herr mit seinem Heizlüfter. Ach ja: Die Softwarepakete (Lexikon und Chronik) gingen meist im Doppelpack weg.

Alles in allem war es ein lustiger Morgen und, äähm, ich habe mich vom allgemeinen Kaufrausch anstecken lassen und einen Radiowecker ersteigert, wobei ich jetzt jedoch überlege, ob ich ihn wirklich brauche oder nicht doch lieber gegen den Anrufbeantworter, der nächste Woche im Angebot ist, tauschen soll.

Ich freue mich schon auf den kommenden Mittwoch.

Sabine Wienciers